Adventszeit – Zeit der Lichter, Zeit der Gemütlichkeit, der Geborgenheit und Wärme. Kerzenschein zaubert ein Leuchten nicht nur in die Augen der Kinder. Dieses Leuchten in den Augen zeigt uns, dass mit dem Kerzenschein auch unser eigenes inneres Licht wieder mehr zu strahlen beginnt. Das Kerzenlicht regt etwas in uns an, was im Alltag oft verloren geht. Wir kommen zur Ruhe, haben Zeit für Besinnung. Vollgepackt mit Pflichten und Terminen hetzen wir oft durch den Tag. Die Wochen und Monate vergehen und wieder ist ein Jahr vorbei. Ein Jahr Lebenszeit. Habe ich wirklich gelebt in diesem Jahr? Wie viele Momente gab es, in denen ich mich selbst gespürt habe, in denen ich gespürt habe, dass ich am Leben bin.

Immer wenn ein Mensch geboren wird, wird auf der Erde ein Licht angezündet. Sieben Milliarden Lichter und doch ist es oft noch so dunkel. Wie kommt es, dass wir unser eigenes Licht immer wieder unter den Scheffel stellen, dass wir uns nicht zeigen in unserer Größe mit all dem, was uns ausmacht, was uns so besonders macht. Stattdessen trotten wir wie Herdentiere durch unseren Alltag, verschwinden in der Masse, erfüllen unsere Pflichten. Und sehnen uns nach mehr Leben. Dieses Lebenslicht in uns brennt oft nur noch auf Sparflamme, es bekommt einfach zu wenig Nahrung.

Was ist es, was uns hindert, uns wahrhaft lebendig zu fühlen? Zuerst einmal, behaupte ich, haben wir Angst vor unserer eigenen Größe. Wir machen uns klein, aus dem Gefühl heraus, nicht zu genügen, immer wieder Fehler zu machen, nicht in Ordnung zu sein, so, wie wir sind. Dieses Sich-klein-machen fühlt sich nicht gut an, doch wir sind es gewohnt. Wenn wir uns jedoch aufrichten, unser inneres Licht strahlen lassen, dann werden wir sichtbar. Wir können uns nicht mehr verstecken in der breiten Masse. Nicht jeder wird das gut finden, was wir da tun. Also wird es Kritik geben. Andere warten vielleicht nur auf deine Fehler. Und Fehler werden passieren, denn du begibst dich auf einen neuen, auf deinen ganz eigenen Weg, den du selbst noch nicht kennst. Du läufst Gefahr, dass man dich auslacht. Du veränderst dich und Freunde, die dich so nicht kennen, werden sich eventuell abwenden. Das alles riskierst du und es macht Angst, das ist verständlich.

Dein Lebenslicht beginnt zu leuchten, wenn du anfängst, deine Fähigkeiten und Talente zu entwickeln, wenn du nach außen trägst, was in dir schlummert. Das macht auf jeden Fall Freude. Die Freude ist dein Wegweiser. Nur dieser Weg ist oft alles andere als einfach. Es wird Rückschläge geben, du wirst Umwege in Kauf nehmen müssen, du wirst hin und wieder das Gefühl haben, es geht nicht mehr weiter. Du wirst hinfallen und wieder aufstehen. Wenn du sichtbar wirst und dich dem Leben öffnest, wirst du verletzbarer und doch gleichzeitig stärker sein als jemals zuvor.

Wie findest du nun deine Fähigkeiten? Oft wissen wir nicht, was in uns schlummert. Achte auf die Momente, in denen du dich plötzlich wieder lebendiger fühlst. Ich selbst habe solche Momente hin und wieder in Gesprächen mit anderen. Vielleicht kennst du das auch: Du folgst einem Gespräch mehr oder weniger gelangweilt. Das Thema interessiert dich nicht wirklich. Dann fällt zwischendurch ein Satz und plötzlich bist du wieder hellwach. Etwas in dir fühlt sich angesprochen. Dieses Etwas in dir kennt deinen Weg, kennt deine Berufung. Und es liegt ständig auf der Lauer und wartet auf mögliche Chancen und Gelegenheiten. Darum, achte auf solche Momente, sie geben dir deine Lebensfreude wieder und führen dich zu deinen ganz besonderen Fähigkeiten und Talenten. Du musst es ganz einfach ausprobieren. Das, was in dir ist, wird erst sichtbar, wenn du es nach außen trägst.

Zu Weihnachten feiern wir die Geburt des Christkindes. Jesus kam vom Himmel auf die Erde, weil er den Menschen etwas zu geben hatte. Bist auch du vom Himmel auf die Erde gekommen, weil du den Menschen etwas zu geben hast? Schließ für einen Moment deine Augen und lass diesen Satz auf dich wirken. Wie fühlt sich das an? Du bist auf die Erde gekommen, weil du eine Gabe hast, weil du etwas zu geben hast. Ohne deine Gabe wäre die Welt ein klein bisschen ärmer.

Und wenn du jetzt in der Weihnachtszeit wieder ein Licht anzündest an deinem Adventskranz, dann denke daran: Immer wenn ein Mensch geboren wird, wird auf der Erde ein Licht angezündet. Und jeder, der sein Licht etwas mehr strahlen lässt, macht es ein klein bisschen heller auf unserem Planeten.

Wofür brennt dein Licht? Ich wünsche dir eine frohe Adventszeit.